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Nach dem Frühstück nehmen wir die Räder
entgegen und schrauben ein wenig daran herum, um die optimale
Sitzhöhe zu erreichen. Noch den Flaschenhalter dran, mehr gibt
es bei meinem Rad nicht zu tun. Ich handle mir beim Testfahren
direkt eine Portion Kritik ein, da ich einfach den Bordstein
herunterfahre: "Genau das gehört zu den Dingen, die wir gar
nicht gern haben!" "Entschuldigung". Hui, scheint ja ein
strenger Genosse zu sein, der Herr Reiseleiter, ist wohl mit
Vorsicht zu genießen, aber hat natürlich Recht.
Am frühen Nachmittag starten wir dann zu
einer kleinen Probetour zum Yaoberg, ein gemächlicher Start
in den vor uns liegenden Teil der Reise und eine gute
Gelegenheit, einen genüsslichen Vorgeschmack auf die
Landschaft zu bekommen, in der wir uns jetzt für zwei Wochen
mit Rädern bewegen werden.
Ich bin fasziniert davon, wie sich in
Guilin der Straßenverkehr regelt. Massen von Fahrrädern,
motorisierten oder unmotorisierten Rikschas und Autos finden
sich ohne externe Regelung durch Ampeln oder sonstige
Hilfsmittel wunderbar zurecht. Ampeln würden bei diesem
Verkehrsaufkommen auch nur hinderlich sein. Das gefällt mir.
Sehr sogar. In China wurde ich nie angerempelt. Offensichtlich verfügen die Menschen dort über jene soziale Fähigkeit, die
darauf achtet, selbst vorwärtszukommen, aber die anderen auch
wahrnimmt. Mir fällt spontan meine Erfahrung aus dem
Chorgesang ein: Du musst Dich selbst und die anderen hören.
Nach der kurzen Fahrt zum Fuß des
Yaoberges fahren wir mit dem Sessellift auf den Berg und
haben eine wunderbare Aussicht auf die seltsam bizarren
Karstberge. Fototermin für Portraits im Kunstblumen-umkränzten
Bambusstuhl vor dem Hintergund der faszinierenden Landschaft.
Kitsch muss auch sein. Ein nettes Abenteuer am Rande: die
Rückfahrt zum Fuß des Berges mit der Sommerrodelbahn.
Nach dem Abendessen kommen wir an
Straßenmusikern vorbei, und da wir heute nicht zu müde sind,
verhalten wir uns auch nicht als Kunstbanausen, sondern
gesellen uns zu den Zuschauern. Die Veranstaltung entpuppt
sich dann als Life-Karaoke-Show. Volker gibt zwei
Strophen aus Summertime zum Besten, S. einige Kostproben
polnischer Lieder und erntet rauschenden Applaus.
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